2011-12-12 News - Der schlaue Vogel

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Der schlaue Vogel von nebenan

Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012. Sie ruft „kjak“ oder „schack“ und fällt mit ihrem dunklen Gefieder wenig auf. Doch kaum scheint die Sonne, beginnt ihr Federkleid metallisch grün oder blau zu schillern. Die Dohle begeistert auf den zweiten Blick. Sie ist ein geselliger Vogel und wählt ihren Partner fürs Leben. Heute ist die Dohle ein Nachbar von uns Menschen. Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme nannte man sie früher auch „des Pastors schwarze Taube“. Zwar haben sich die schlauen Vögel an das Leben in der Stadt angepasst, doch machen ihnen Sanierungen, Gebäudeabrisse und vergitterte Brutnischen jüngst besonders zu schaffen. Auch ihr Nahrungsangebot wird zunehmend dürftig, so dass sie heute in vielen Teilen Deutschlands gefährdet ist. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2012 rückt die Dohle ins Rampenlicht. Wir zeigen in diesem Jahr, wie wir ihr im Siedlungsbereich helfen und wichtige Nahrungsgrundlagen in der Kulturlandschaft erhalten können. Am Beispiel der schlauen Dohle wollen wir zudem eine Lanze brechen für die oft zu Unrecht geschmähten Rabenvögel.

Federzeichnung einer Dohle

Dunkle Erscheinung – nur auf den ersten Blick
Aus der Ferne betrachtet trägt die etwa taubengroße Dohle Schwarz. Beim näheren Hinsehen reflektiert ihr Federkleid die Sonnenstrahlen in schillernden Farben. Hinterkopf, Nacken und Ohrdecken sind silbergrau gefärbt. Mit ihrem kurzen Schnabel und Schwanz wirkt die aufrechte Gestalt der Dohle klein und kompakt. Ihre hellblauen bis weißen Augen stechen besonders hervor.
Stimmtalent
Dohlen sind Singvögel und besitzen ein vielseitiges Lautrepertoire. Neben dem markanten „kja“ oder „kjak“, „schack“ oder „kjöck“ (auch gedehnt „kjarrr“ oder „kji“) verständigen sich die Vögel je nach Stimmungslage mit vielen weiteren Lauten.
Allesfresser
Meist suchen sich Dohlen ihre Nahrung am Boden, weshalb sie gerne auf Äckern und Wiesen mit niedriger Vegetation oder in städtischen Grünanlagen umher spazieren. Als Allesfresser lassen sie sich Würmer, Käfer, Spinnen, Schnecken, Fallobst, Samen und Getreidekörner, Mäuse, Frösche und menschliche Abfälle schmecken. Zur Aufzucht der Jungvögel sind proteinreiche Insekten besonders wichtig.
Bewegungskünstler
Die Dohle spielt mit dem Wind. Sie nutzt Aufwinde, Luftwirbel und -ströme für ihre Flugshow. Hier geht es nicht ums Überleben, sondern offenbar um den Spaß. Körperbeherrschung beweist die Dohle auch bei der Auswahl ihrer Brutplätze. Sie klettert mühelos an senkrechten Wänden oder in engen Schächten und stützt sich geschickt mit Flügeln oder Schwanz ab. Am Boden schreitet die Dohle würdevoll daher oder hüpft ein- oder zweibeinig vorwärts.
Von der Steppe in die Stadt
Ursprünglich ist die Dohle ein Steppenvogel. Auch heute sucht sie ihre Nahrung am liebsten in niedriger und lückiger Vegetation. Wann ein Teil der Dohlen in unsere Siedlungen gezogen ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Als Höhlenbrüter nisten sie besonders gern in Gebäudenischen und Mauerlöchern, Kirchtürmen, Dachstühlen und Schornsteinen. In Städten und Dörfern leben die meisten der Vögel. Fotografie einer Dohle
Nahrungsreiches Grünland
Alle Brutgebiete der Dohle müssen über ein ausreichendes Nahrungsangebot in der Umgebung verfügen. In der offenen Feldflur bieten Viehweiden, insektenreiche Mähwiesen und abgeerntete Felder ideale Lebensräume. Untersuchungen haben gezeigt, dass Dohlenkolonien umso größer sind, je mehr Grünland sie umgibt.
Wohnen nach Maß
Dass Dohlen in Schornsteinen brüten und Nester aus dem Vorjahr „renovieren“ und überbauen, hat ihren Ruf als Unglücksboten verstärkt. Denn wenn giftiges Kohlenmonoxid durch den blockierten Schornstein nicht mehr abziehen kann oder verirrte Funken das Nest in Brand stecken, sind Menschen in Gefahr. Nester in benutzten Kaminen sollten fachgerecht entfernt werden. Unbenutzte Schornsteine sind wichtige Rückzugsorte. Hausbesitzer sollten sie nicht verschließen, denn dort können Dohlen auch für Menschen gefahrlos brüten. Mit einem Nistkasten können Sie der Dohle einen neuen Brutplatz anbieten. Eine Bauanleitung finden Sie unter www.vogel-des-jahres.de

Ralf Schmidt, NABU Nordvorpommern