2012-04-30 08h22 News - intelligente Rabenvögel

Logo des NABU NordvorpommernDohlen Foto:NABU/Falk

Gestatten, intelligent !

Die Dohle ist Vogel des Jahres 2012. Am Beispiel der schlauen Dohle wollen wir eine Lanze brechen für die oft zu Unrecht geschmähten Rabenvögel. Denn auch die Verwandtschaft der Dohle beweist Köpfchen. Rabenvögel können ähnlich gut denken wie Menschenaffen.

Viele Beispiele zeigen es:

Die Saatkrähe (1)
benutzt allerlei Werkzeuge, um an begehrte Nahrung zu kommen. In einem Experiment der Cambridge Universität warfen die Vögel so lange Steine in ein Wasserglas, bis sie an einen sonst unerreichbaren Wurm gelangten. Sie hatten den Anstieg des Wasserspiegels einkalkuliert.
Der Kolkrabe (2)
kann dem Blick von Artgenossen folgen und einschätzen, ob der andere etwas sieht, was er selbst nicht sehen kann. Außerdem täuscht er seine Artgenossen und andere Vögel taktisch mit Scheinverstecken.
Rabenkrähen und Nebelkrähen (3)
wurden schon dabei beobachtet, wie sie Nüsse auf die Fahrbahn werfen, um sie von Autoreifen knacken zu lassen. Dabei bevorzugen sie Kreuzungen mit Ampeln, denn hier können sie sich in der Rotphase die geknackten Nüsse bequem wiederbeschaffen.
Der Elster (4)
konnte nachgewiesen werden, dass sie in der Lage ist, sich selbst im Spiegel zu erkennen. Das ist die Voraussetzung für viele Denkprozesse.
Der Tannenhäher (5)
legt tausende von Verstecken mit Vorräten für den Winter an, die er selbst durch eine tiefe Schneedecke erfolgreich wieder ausgräbt. Eine enorme Gedächtnisleistung.
Der Eichelhäher (6),
bei uns der farbigste aller Rabenvögel, ist ein eindrucksvoller Imitator anderer Vogelstimmen. Auf einen Warnruf achten auch viele andere Tiere.

Saatkrähe Foto:NABU Kolkrabe Foto:NABU Rabenkrähe Foto:NABU
Elster Foto:NABU Tannenhäher Foto:NABU Eichelhäher Foto:NABU

Rabenvögel sollen Tod und Unglück bringen. Hier drei Beispiele, wie Äußerlichkeiten und Trugschlüsse dem Ruf der Vögel schaden:

VOM PECHVOGEL ZUM UNGLÜCKSRABEN
Bei der Vogeljagd wurden früher Äste mit Pech bestrichen. Blieben die Vögel daran kleben, bezeichnete man sie als „Pechvogel“. Zum „Unglücksraben“ war es dann aufgrund der schwarzen Farbe von Pech und Rabenvogel kein weiter Weg. Doch die Rabenvögel selbst waren unschuldig an der Entstehung des Begriffs.
LIEBEVOLLE RABENMUTTER
Dass die Bezeichnung „Rabenmutter“ so negativ besetzt ist, hat nichts mit der Realität im Rabennest zu tun. Die Nester sehen zwar nicht besonders gemütlich aus, und die Jungen sitzen manchmal unbeholfen außerhalb des Nestes am Boden, doch hat ihre angebliche „Rabenmutter“ sie nicht etwa aus dem Nest gestoßen. Sie verlassen es selbstständig, bevor sie flügge geworden sind, werden aber von ihren Eltern noch lange gefüttert und vor Feinden beschützt. Die Rabeneltern sind also wahre Vorzeigeeltern.
TÄUSCHENDE OBERFLÄCHLICHKEITEN
Vermutlich haben die Rabenvögel ihr schlechtes Image vor allem ihrem dunklen Gefieder und dem AllesfresserDasein zu verdanken. Auch die krächzende Stimme bringt ihnen keine Pluspunkte ein. Und tatsächlich stibitzen manche Rabenvogelarten die Eier anderer Vögel.Rabenvögel Foto:NABU Sympathieträger wie Buntspecht und Eichhörnchen machen es nicht anders und die Natur weiß es zu regeln. Kleinvögel sind durch hohe Fortpflanzungsraten an solche Verluste angepasst und Rabenvögel sicher nicht für deren Rückgang verantwortlich.

Wer sich von Vorurteilen lösen kann und sich näher mit Rabenvögeln beschäftigt, wird vom Verhalten und von der Intelligenz dieser Tiere fasziniert sein!

NABU Nordvorpommern