Stadtrundgang

Grimmen

Stadtwappen

Ein kleiner, unbedeutender Ort in der Norddeutschen Tiefebene, eine kleine Landstadt, die auf Grund der ungünstigen Lage nicht so aufblühen konnte wie benachbarte Städte - das war Grimmen in der Vergangenheit. “Stadt in Wiesen” wurde sie genannt, und ein Schulmeister der Stadt drückte es recht prosaisch aus, wenn er von dem Rot der Ziegeldächer und dem Grün der Wiesen sprach: “ Grimmen ist eine Schüssel mit Krebsen, garniert mit grüner Petersilie”. Heute muss man feststellen, dass sich in Grimmen viel getan hat. Neue Stadtteile sind entstanden, der wirtschaftliche Aufschwung ist überall spürbar, die Lebensqualität entwickelt sich. Der direkte Autobahn-Anschluss an die A20 wird die gute infrastrukturelle Lage der Stadt weiter verbessern. Besucher der schönen Stadt Grimmen, die in malerischer Umgebung, eingebettet in Wälder, Felder, Wiesen und der Trebelniederung liegt, können sich auf erholsame Ausflüge in die Umgebung der Stadt Grimmen freuen. Die Nähe der Stadt zur Ostseeküste, zur größten deutschen Insel Rügen, zur Insel Usedom und zu anderen attraktiven Zielen prädestiniert Grimmen zum Ausgangspunkt für die Erkundung des Nordostens Deutschlands. Grimmen selbst bietet mit dem Karneval, dem Schützenfest, dem Stadtfest und dem mehrmals jährlich stattfindenden Stock-Car-Rennen sowie dem Traktorpulling dem Besucher gute Gründe mal in Grimmen vorbeizuschauen. Die Altstadt von Grimmen hat noch immer ein mittelalterliches Flair, dem sich kein Besucher der Stadt entziehen kann. Die Marienkirche, die drei Tore, das wunderschöne Rathaus und viele andere Gebäude spiegeln die Stadtgeschichte Grimmens wider, die abwechslungsreich und spannend ist. Begleiten Sie uns nun auf einem kleinen Spaziergang durch die schöne Stadt Grimmen.

Grimmen-Bahnhof

Bahnhof

Unser Spaziergang beginnt am Grimmener Bahnhof.

Die ersten Pläne für eine Eisenbahnstrecke Berlin-Neubrandenburg-Demmin-Grimmen-Stralsund stammen aus dem Jahr 1844. Die Vermessungen waren bereits vorgenommen, doch die Bauausführung scheiterte, da es an Geld mangelte. 25 Jahre später wollte eine andere Interessengruppe das Projekt ausführen, doch wiederum musste der Bau aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Nach der übernahme durch den Staat ging dann der Bau der sogenannten Nordbahn zügig voran. Am 10. Juli 1877 wurde der Streckenabschnitt Berlin-Neubrandenburg fertig. Weihnachten erreichten die Zugreisenden Demmin, und am 01.01.1878 wurde schließlich der Eisenbahnabschnitt Demmin-Grimmen-Stralsund seiner Bestimmung übergeben. Viele Grimmener Bürger und auswärtige Arbeitskräfte beteiligten sich am Bau, denn gewaltige Erd- und Steinmassen waren für die Aufschüttung des Bahndammes in den sumpfigen Wiesen erforderlich. 1881 war das Bahnhofsgebäude, das auf Pfählen gebaut wurde, fertig.

Grimmen-"Landratsvilla"

Landratsvilla

Spaziert man nun die Bahnhofstraße entlang, so kommt man unweigerlich an der Landratsvilla vorbei.

Die Landratsvilla wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Bahnhofstraße erbaut. Der erste Landrat, August Friedrich von Mühlenfels (1778-1852), wohnte noch im Eckhaus Badstüberstraße-Buddeliner Straße, im Volksmund auch “Hexenhaus” genannt. Dies erinnert an ein trübes Kapitel in der Stadtgeschichte. Der Bader und Friseur Philipp wohnte dort zuvor. Seine Frau Anna wurde der Hexerei angeklagt und nach monatelangen Verhandlungen und grausamsten Folterungen Anfang März 1696 öffentlich verbrannt. Der völlig verblendete und gefühllose Bürgermeister Johannes Flitner rühmte sich, 7 Hexenprozesse geführt zu haben. Wenn es in der Vergangenheit zuweilen hieß, “In Grimmen will´s nicht stimmen”, dann hat diese Aussage eine tiefe historische Ursache und erinnert an die Hexenverfolgungen des 14.-17. Jahrhunderts, die besonders auch in der Kleinstadt Grimmen weit verbreitet waren. Heute befindet sich in der Landratsvilla das Hauptamt der Kreisverwaltung des ehemaligen Landkreises Nordvorpommern.

Grimmen-Bahnhofstraße (Druckerei, Sparkasse, Farb- und Geschenkartikel)

Bahnhofstraße

Weiterhin befindet sich in der Bahnhofstraße neben der Sparkasse, die bereits 1859 gegründet wurde, die Druckerei. Sie wurde um 1840 vom Buchdrucker B. Nikolei in der Nordhinterstraße 45 eingerichtet. Der damalige Bürgermeister, Dr. Wilhelm Kirchhoff, unterstützte das Unternehmen durch verschiedene Druckaufträge wichtiger Stadtdokumente. Grimmener Monatsblätter (“Der Grimmener Stadt- und Landbote”) und später Wochenblätter erschienen. Am 01. Juli 1905 eröffnete Kleinowsky ein neues Geschäftshaus in der Bahnhofstraße 3, bestehend aus einer gut ausgerüsteten Druckerei und einem Papiergeschäft. Die Qualität der Druckerzeugnisse stieg kontinuierlich. Dadurch erhielt die Druckerei auch große Aufträge aus anderen Städten. Auch heute wird dieses historische Gebäude noch als Druckerei genutzt (S&Z Druckerei).

Grimmen-Postgebäude

Post

Bis 1815 gab es in Grimmen keinen festen Sitz für die Post. Erst danach wurde eine kleine Poststube eingerichtet. Einige Stunden vor der Abfahrt der Postkutsche mussten Briefe, Geldsendungen und Pakete im Kontor abgegeben werden. Sie wurden dann kontrolliert, die Gebühren festgelegt, sortiert und eingepackt. 1898 entstand in der Bahnhofstraße das Gebäude der Deutschen Post. Es ist ein ansprechendes gut erhaltenes Bauwerk, das auf der Vorderfront das Stadtwappen von Grimmen zeigt. Bis auf die Verlegung des Haupteinganges auf die linke Seite hat sich das Postgebäude nicht verändert.


Grimmen-Stadtvilla (Bahnhofstraße)

ehemalige Buchandlung

Am Ende der Bahnhofstraße befand sich die Buchhandlung.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann der Häuserbau in der Bahnhofstraße. 1909 wurde das Eckhaus errichtet, in dem sich die Buchhandlung “Am Mühlentor” eingerichtet hatte.






Grimmen-Mühlentor

Mühlentor

Gegenüber der Buchhandlung steht das Mühlentor, das wir nun durchschreiten, um in die Altstadt von Grimmen zu gelangen.

Das Mühlentor, der Name ist zurückzuführen auf die in der Nähe vorhanden gewesenen Wassermühle, (auch Tribseeser Tor genannt), ist ein spätgotischer Backsteinbau und wurde vermutlich um 1320 erbaut. Das Tor ist 24,8m hoch, auf einem Feldsteinsockel errichtet, mit fast quadratischem Grundriss. Es hat eine spitzbogige Toröffnung und ein Tonnengewölbe. Zu beiden Seiten über dem Torbogen befinden sich zwei hervorspringende Felsquader. Sie gehören möglicherweise zu der Zugbrücke, die die Stadt mit dem Damm verband, der durch die damals vorhandenen zwei Teiche zu der alten Landstraße nach Tribsees führte (daher auch Tribseeser Tor). Es ist auch denkbar, dass die eingemauerten Feldsteine für die Befestigung eines Fallgitters notwendig waren. Im Torbogen befinden sich noch Überreste des alten Holztores, das die Stadt nach außen hin abschloss. Das Tor diente als “Wacht”, als Ausblick. Am 26. Juni 1985 wurde am Tor der Grundstein für einen Museumskomplex gelegt. Dazu musste das Tor ausgebaut und ein Anbau in der Form eines Torschließerhäuschens geschaffen werden. Im Heimatmuseum, das über eine Treppe sogar ins Mühlentor führt, wird die Stadtgeschichte Grimmens eindrucksvoll dargestellt. Es wurde 1987 zur 700-Jahr-Feier Grimmens eröffnet und ist einen Besuch auf jeden Fall wert.

Kalandhaus / Alte Schule

Alte Schule

Dieser spätgotische Bau entstand um 1450. Der Giebel nimmt in seiner Gestaltung die charakteristische Form der Stadttore wieder auf. Über den ursprünglichen Zweck des Hauses existieren keine Nachrichten mehr. Vermutet wird, dass es sich um die ehemalige Kapelle St. Spiritus oder Zu Marienzeiten handeln könnte(1349).

Relativ sicher ist, dass der Kaland hier seinen Sitz hatte.

In einer Schuldverschreibungsurkunde aus dem Jahr 1505 (Stockholm) wird vom Kaland in Grimmen berichtet. Der Kaland war eine ab dem 9. Jh. gegründete von Kaiser und Päpsten begünstigte Bruderschaft zur Verrichtung guter Werke. Die meisten Kalandbruderschaften bestanden bis zum Beginn der Reformationszeit im 16. Jh. Man traf sich am ersten Tag des Monats (Kalenden, kalendae. lat.) zum gemeinschaftlichen Gebet, gemeinsamen Werk an Armen und Kranken und gemeinschaftlichen Gedenken für verstorbene Mitglieder. In einer Urkunde von 1478 findet eine Kleine Bruderschaft Erwähnung, 1541 im Stadtpfandbuch von Grimmen die Große und Kleine Bruderschaft. 1536 liest man in evangelischen Kirchenmatrikeln vom Eigentum und Einkommen der Calander Fraternitaeten (Bruderschaften). 1557 werden Gerätschaften, die zu dem Haus gehörten, erwähnt. 1558 verkauft die Kirche das “Bruderhauße” (Visitationsabschied) an die Stadt. Das bezieht sich auf selbiges Gebäude.

Dann finden wir eine Nachricht in der Lustration der Stadt von 1734, das ein Raum im Haus als Stadtschule genutzt wird. Eine zweite Schulstube entstand mit Fertigstellung des Fachwerkanbaus 1789/90 an das alte Gebäude.

Nach dem Neubau der Schule in der Norderhinterstraße 1864 (Schulchronik WÄCHTER) wird die bisherige Stadtschule bis 1904 als Mädchenschule genutzt und fortan “Alte Schule” genannt. Danach diente das Gebäude als Wohnhaus.

Nach 1945 war darin bis Mai 1947 der erste Kindergarten Grimmens untergebracht. Zwischenzeitlich wohnten Umsiedler dort.

Seit 1980 nutzt die Neuapostolische Kirche das Gebäude, dass der Stadt gehört, als Gemeinderaum.

Eine umfassende Restaurierung erfolgte 1990.

Grimmen-St. Marienkirche

Kirche St. Marien zu Grimmen

Gegenüber der “Alten Schule” steht die St. Marienkirche.

Die Kirche ist das älteste noch erhaltene Gebäude der Stadt , erbaut in norddeutscher Backsteingotik.

Sie wurde als dreischiffige Hallenkirche errichtet. Durch spätere Kapellenanbauten entstand der heutige Grundriss der Marienkirche. Sie hat eine Länge von 57 Metern und ist 27,70 Meter breit, die Turmhöhe beträgt 54,50 Meter.

Der nördliche Anbau, Mauritiuskapelle und Sakristei, wird erstmals 1493 erwähnt. Seit 1615 ist hier die Erbbegräbnisstätte des FREIHERRN ALBRECHT v. WAKENITZ zu KLEVENOW eingerichtet.

Der südliche Anbau, die Agneskapelle, war eine fürstliche Stiftung, die ab 1675 als Erbbegräbnisstätte der Familie v. SCHWERIN zu GRELLENBERG diente, und 1846 abgebrochen wurde.

Die Kanzel stammt aus dem Jahr 1660. Im südlichen Seitenschiff befindet sich das mit Schnitzwerk versehene Ratsgestühl, welches in der Mitte das Stadtwappen trägt. Die erste Orgel wurde 1597 eingebaut und 1791 ausgebessert. 1992 wurde die jetzige Orgel errichtet und geweiht.

Bei Restaurierungsarbeiten der Kirche 1977 konnten mittelalterliche Wandmalereien freigelegt werden.

Kirche St. Marien zu Grimmen

SILKE KOSSMANN - Baltische Studien 2003 - untersuchte die Baugeschichte genauer und datierte verschiedene Bauphasen, indem sie auch Vergleiche mit Stralsunder Marienkirche zog:

1267 als urkundliche Ersterwähnung eines Langhauses
  1. Innerhalb einer Umfassungsmauer eines älteren Bauwerkes aus dem 13. Jh. ,das sich mit der Ersterwähnung in Verbindung bringen lässt, wurde eine dreischiffige Hallenkirche errichtet; vermutlich von der Stralsunder Bauhütte.
    1. Der Umbau des Langhauses ist nach 1384 anzunehmen.
    2. Danach ist der Chor - der des Ursprungsbaues wohl mit einfachem Polygonabschluss - neu errichtet worden.
  2. Das Turmhauptgeschoss ist in der ersten Hälfte des 15. Jh. entstanden.
  3. Die Seitenanbauten wurden wahrscheinlich erst nachträglich angebaut.
  4. Die oberen drei Geschosse entstanden erst in der zweiten Hälfte des 15. Jh.

Grimmen-Stralsunder Tor

Stralsunder Tor

Folgen wir nun der Domstraße vor der Kirche so erblicken wir an der Ecke Domstraße-Sundische Straße auf der linken Seite das Stralsunder Tor und auf der rechten Seite das schöne Grimmener Rathaus.

Das Stralsunder Tor ist das schönste der drei Tore und wurde - wie auch das Mühlentor - um 1320 erbaut. Es ist somit ebenfalls ein spätgotischer Backsteinbau, der auf einem Feldsteinsockel errichtet wurde und eine Höhe von 25,2m hat. Nach außen hin ist dieses Tor sehr umfangreich verziert. Zur Stadtseite ist es wesentlich schlichter verziert und ähnelt dem Mühlentor. Das Stralsunder Tor besitzt eine spitzbogige Tordurchfahrt. Zu beiden Seiten oberhalb der Tordurchfahrt befinden sich wie beim Mühlentor zwei Felsquader, die eine Funktion für die Zugbrücke hatten. Ein Blick von der Feldseite durch das Tor fällt auf das Grimmener Rathaus und lässt die Nord-Süd-Achse der mittelalterlichen Stadt erkennen. Da das Tor völlig frei dasteht, sind Ansätze der alten Stadtmauer zu erkennen. Lange beherbergte das Tor den Torwächter. 1813 war es die Wohnung des Gerichtsknechtes, und bis 1850 diente noch ein Raum als Gefängnis. Der dem Tor vorgebaute Zingel ist längst nicht mehr vorhanden. 1910 wurde das Tor durch Blitzschlag stark beschädigt und stilgetreu wiederhergestellt. 1978 wurde das Stralsunder Tor als ein Kulturdenkmal der ältesten Grimmener Stadtgeschichte umfangreich restauriert.

Grimmen-Rathaus

Rathaus

Unser Blick richtet sich nun auf das Grimmener Rathaus.

“Der Stadt Krone un Zier” ist das Grimmener Rathaus. Es wurde um 1400 erbaut. Zusammen mit der Marienkirche und den drei Stadttoren gehört es zu den hervorragenden Zeitzeugen mittelalterlicher Backsteingotik, die uns erhalten geblieben sind. Es ist 18.31m lang, 11,6m breit und ohne Turm 18,05m hoch. Anfänglich diente das Rathaus einem doppelten Zweck: das untere Geschoss für Markt- und Gerichtgeschäfte, das obere für Beratungen der Ratsherren und die Versammlung der Bürger. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele bauliche Veränderungen und Reparaturen vorgenommen, doch es hat im wesentlichen sein ursprüngliches Aussehen bewahrt und hebt sich dadurch von vielen norddeutschen Rathäusern positiv ab. Der vordere Giebel ist durch das Stadtwappen und eine 1895 eingebaute Uhr geschmückt. Getragen wird das Gebäude von vier Achtecksäulen. Die offene Halle ist von drei Seiten zugängig (Im 17. Jahrhundert wurden hier die Hexenprozesse durchgeführt). 1969 wurde das Rathaus umfassend renoviert. Heute ist der historische Rathaussaal mit dem Gemälde von Alt-Grimmen an der Stirnseite u.a. Tagungsstätte für Veranstaltungen des Bürgermeisters und der Stadtvertreter.

Grimmen-Wasserturm (Lange Straße)

Wasserturm

Vom Marktplatz vor dem Rathaus aus setzen wir unseren Spaziergang fort. Von weitem schon ist unser nächstes Ziel in der Langen Straße zu sehen: der Grimmener Wasserturm.

An der Stelle des ehemaligen Schlossturmes auf dem runden Schlossberg wurde 1933 der Wasserturm errichtet. 20 Jahre war in Grimmen vergeblich versucht worden, eine zentrale Wasserleitung zu legen. Diese war dringend notwendig geworden, da das schmutzige Wasser in der Vergangenheit schon etliche Menschenleben gefordert hatte - die Cholera brach 1853 aus und raffte 195 Menschenleben dahin. 1909 waren in Grimmen 9 von 19 Brunnen als Trinkwasser nicht genießbar. Obwohl schon 1782 vom Grimmener Apotheker Johann Bernhard Benedix eine Analyse der Wasserquellen in der Kieskuhle, in der heute das Wasserwerk steht, ein sehr positives Gutachten abgegeben worden war, dauerte es noch 151 Jahre bis schließlich eine Wasserleitungsanlage mit Wasserwerk und Wasserturm gebaut wurden. Seitdem wurde die Wasserversorgungsanlage auf Grund des stetig zunehmenden Wasserbedarfs ständig ausgebaut und erweitert. 1960 wurde der Wasserturm außer Betrieb gesetzt, da bereits 1963 ein neues, modernes Wasserwerk am Grellenberger Weg errichtet wurde. Heute ist der Wasserturm als Aussichtspunkt für Touristen und Einheimische ausgebaut und beherbergt die Stadtinformation. Von einer Aussichtsplattform hat man einen prächtigen Rundblick auf Grimmens Umgebung.

Grimmen-Greifswalder Tor

Greifswalder Tor

Klettern wir nun wieder vom Turm herunter und begeben uns zum Greifswalder Tor, das sich an der Ecke der Langen Straße - Greifswalder Straße befindet.

Das Greifswalder Tor (früher auch Loitzer Tor genannt) wurde zwischen 1350 und 1400 erbaut. Um 1800 zerstörte ein Blitzschlag den oberen Teil des Tores völlig. Da wegen der Bezahlung von Kriegsschulden die Geldmittel nicht ausreichten, erhielt das Tor beim Ausbau seine ursprüngliche Gestalt nicht wieder. Es büßte nicht nur einige Meter an Höhe ein, die Giebelschlüsse wurden verändert, sondern verlor auch insgesamt an baulicher Schönheit. Der spätgotische Backsteinbau ist nun 21,4m hoch, 8,09m breit und 6,24m tief. Er hat eine spitzbogige Toröffnung und ein Tonnengewölbe. Sowohl die Stadtseite als auch die Feldseite zeigen größte Einfachheit. Bis 1820 stand auch vor diesem Tor ein Zingel, der zur mittelalterlichen Verteidigungsanlage gehörte. 1980 wurde das Greifswalder Tor umfassend rekonstruiert.



Hier soll unser Spaziergang enden. Nicht mehr auf unserem direkten Weg liegt die Mühle der Familie Bentzien. Sie ist aber ebenfalls einen Besuch wert und wird daher zum Abschluss dieses Berichtes vorgestellt.


Grimmen-Mühle in der Stralsunder Straße

Bentziensche Mühle

An der Abzweigung Stralsunder Straße - Stoltenhäger Straße steht die Mühle, die ehemals dem Müllermeister Willy Bentzien gehörte. Sie war 1881 als Holländermühle erbaut worden, nachdem die alte durch Blitzschlag völlig abgebrannt war. 1918 erhielt die Mühle elektrischen Antrieb, da sie durch Zubauten nicht den erforderlichen Wind bekam. Später wurden der Kopf und die Flügel heruntergenommen und auch andere Veränderungen ausgeführt. Zu DDR-Zeiten wurde in der Mühle für zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe und Kleintierliebhaber geschrotet. Eine ABM-Maßnahme wurde nach der Wende ins Leben gerufen, die sich intensiv mit der Instandsetzung des Innern und des äußeren der Mühle befasste. Ziel der Maßnahme war es, mit Kindern und Jugendlichen den Zustand der Mühle in ihrer Funktion wiederherzustellen, um ihnen somit eine interessante Freizeitgestaltung zu ermöglichen. Durch intensive Werbung wurden so einige Kinder und Jugendliche neugierig. Auf die Veröffentlichung hin meldeten sich zunehmend mehr Vereine, Gruppen, Schulklassen und Einzelpersonen, welche dann nach terminlicher Absprache durch die Mühle geführt wurden. Ihnen wurde dabei insbesondere geschichtliches Wissen über das Müllerhandwerk in Grimmen sowie die Entstehungsgeschichte und Wirkungsweise der Mühle vermittelt. Einzelne schon funktionierende Geräte konnten vorgeführt werden. Bald bekundeten die ersten Schulkinder Interesse an einer intensiven Freizeitarbeit in der Mühle. So fand sich eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen zusammen, die den Zustand der Mühle und der in ihr befindlichen Geräte so weit verbessern wollte, dass mit ihr wieder Getreide gemahlen werden kann.

Am 19.03.1996 wurde dann eine Interessengemeinschaft gegründet, welche sich den Namen “Junge Müller” gab. Seit diesem Tag trafen sich die “Jungen Müller” jeden Dienstag (damals 10 Mitglieder), um unter Anleitung einer ABM-Kraft die Mühle wieder in “Schuss” zu bringen. So führten sie zum Beispiel Mal- und Streicharbeiten durch, sägten und hobelten, wo es nötig war und brachten die Außenanlagen in Ordnung. Auch das Bauen von Nistkästen machte ihnen viel Spaß. Der Höhepunkt des Jahres war das Setzen des Mühlensteins im April. Auf Wunsch der Kinder und Jugendlichen wurde eine Mühlenchronik angelegt, welche die Geschichte und den Wiederaufbau der Mühle festhält. Da noch viel geschafft werden musste, bis das erste Körnchen hätte gemahlen werden können, hatte sich der Jugendfreizeit e.V., als Träger der Maßnahme, natürlich über jede Spende und interessierte Kinder und Jugendliche gefreut, die sich in der AG “Junge Müller” engagieren wollten. Diese AG konnte leider nur bis zum Jahre 2001 geführt werden.

Von 2000 bis 2007 führte das Heimatmuseum Grimmen im Spätsommer “Mühlentage” für Schulkinder durch. Nachdem der Pachtvertrag mit dem Jugendfreizeit e.V. 2008 auslief, wurde das Mühlengrundstück verkauft.

Eine Sanierung wird nach Schätzungen eines Mühlenbauer aus Mecklenburg-Vorpommern so viel Geld kosten, dass sich derzeit niemand findet, der ein solches Projekt angehen möchte.


Wir hoffen, unser Spaziergang hat Sie neugierig gemacht und freuen uns schon auf Ihren Besuch in unserer schönen Stadt Grimmen. Mit freundlicher Unterstützung von Anne!